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Urologie

Prostatahyperplasie, benigne (BPH): Diagnose

Prostatahyperplasie, benigne (BPH)
veraltete Synonyme: Prostataadenom, Prostatahypertrophie

Definition

Gutartige Prostatavergrößerung (BPH = benigne Prostatahyperplasie) durch numerische Zunahme der Zellen und Drüsen des Stromas mit zunehmender Einengung des Blasenauslasses und der prostatischen Harnröhre, wodurch die Blasenentleerung erschwert wird.

Inzidenz

Bei Untersuchungen an Sektionspräparaten wurde bei ca. 90 % der Männer über 80 Jahren eine BHP nachgewiesen. Sie ist die häufigste Erkrankung beim älteren Mann. Die Prostata wächst ab dem 40. Lebensjahr und wird als einziges Organ im Organismus bis zu Tod immer größer. Das Risiko, behandlungsbedürftige Prostatabeschwerden im Lauf des Lebens zu entwickeln, steigt mit dem Alter hoch signifikant an. Die Erkrankung wird bis 2025 voraussichtlich um 33 % zunehmen.

Ätiologie

Dysregulation in der Androgen/Östrogen-Balance mit konsekutiver Überproduktion von 5-Alpha-Reduktase (→ Hyperplasie der Drüsenschläuche) und Aromatase (→ Hyperplasie von Muskulatur und Bindegewebe) im periurethralen Drüsengewebe. Die BPH entwickelt sich allmählich ab dem 50. Lebensjahr und erreicht das Häufigkeitsmaximum zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr.

Regeln
  • Die Größe einer BHP korreliert nicht mit den Miktionsbeschwerden.
  • Es besteht keine Verbindung zwischen der BPH und dem Sexualverhalten des Mannes.
  • Ein verminderter Harnfluss bzw. eine verlängerte Miktionszeit allein ist keine Operationsindikation.
  • Die Dysurie nimmt kontinuierlich zu und der Patient ist aufgrund der allmählichen Gewöhnung häufig nicht imstande, gefährliche Komplikationen (hohe Restharnmenge bis zur Überlaufblase) zu erkennen. Eine jährliche Kontrolle mit Restharnbestimmung (Ultraschall) ist daher schon aus diesem Grund indiziert (zusätzliche Vorsorgeuntersuchung wegen Prostatakarzinom!).
Mechanismen

anatomisch

Einengung des Urethralumens im Blasenhalsbereich → Abflusshindernis → Dysurie → mechanische Komponente

 

funktionell 

Stimulierung der (adrenergen) sensiblen Rezeptoren am Blasenausgang → falsches Startsignal zur Miktion → vermehrter und imperativer Harndrang, Pollakisurie/Nykturie bei kleinen Miktionsmengen → irritative Komponente

Symptome
  • Dysurie
  • Pollakisurie/Nykturie
  • verzögerter Miktionsbeginn
  • Restharngefühl
  • Nachträufeln
  • imperativer Harndrang (Überlaufinkontinenz)
  • selten schmerzhafte Miktion
Diagnostik
  • IPSS (Internationaler Prostata Symptom-Score) mit Beurteilung der Beeinflussung der Lebensqualität (siehe Tabelle)
  • körperliche Untersuchung mit Palpation von Nierenlager und Blasengegend

 

Rektale digitale Palpation 

Die normale Prostata ist kastaniengroß. BPH: Vergrößerung, Konsistenz ist prall-elastisch (wie "Muskel") und homogen, gute Abgrenzbarkeit nach allen Seiten. DD: Prostatakarzinom (ist derb bis hart!). Ein so genannter (intravesikal gelegener) Mittellappen ist rektal nicht tastbar.

 

Labor

  • Urin: Leukozyten und Bakteriurie bei HWI, Eiweiß positiv bei Nierenbeteiligung, Erythrozyturie: Blutung bei gestauten Prostatavenen (DD Blasenkarzinom)
  • Serumkreatinin: erhöht bei Einflussstauung mit Niereninsuffizienz
  • PSA im Serum (DD Prostatakarzinom)

 

Ultraschall(transabdominell)

Messung der Prostatagröße und Gewebsbeurteilung
Diagnose eines Mittellappens
Beurteilung der Blase, Restharnbestimmung (die exaktere transrektale Ultraschalluntersuchung ist nur bei Karzinomverdacht notwendig)

 

Urodynamische Abklärung 

Druck-/Flussmessung
Ausscheidungsurogramm fakultativ als Ergänzung zur Sonographie, notwendig bei Hämaturie

 

Zystoskopie

in bestimmten Fällen, z. B. bei Makrohämaturie (Ausschluss von Blasentumoren)

Differentialdiagnose
  • Prostatakarzinom
  • neurogene Blasenentleerungsstörung
  • Prostatitis
  • Harnröhrenstriktur
  • Sphinktersklerose

Kompensierte BPH

Restharn unter 100 ml und keine oder tolerable subjektive Beschwerden. Die Blasenmuskulatur hypertrophiert.

Dekompensation und Folgekrankheiten
  • Restharn über 100 ml → bis zur Blasenüberdehnung (Volumen bis mehrere Liter) = Überlaufblase mit Ischuria paradoxa → Rückstau → Hydronephrose → Niereninsuffizienz (Schrumpfniere)
  • rezidivierende komplette Harnretention
  • Blasensteine
  • Blasendivertikel
  • rezidivierende Harninfekte, chronische purulente Prostatitis, Prostataabszess
Operationsindikationen

Die dekompensierte BPH; die Indikation stellt der Arzt. Unerträglich irritative Beschwerden; die Indikation stellt der Patient.

Internationaler Prostata-Symptom-Score (I-PSS)
Fragen an den Patienten
niemals
seltener als in einem von 5 Fällen
seltener als in der Hälfte aller Fälle
ungefähr in der Hälfte aller Fälle
in mehr als der Hälfte aller Fälle
fast immer
Summe
Wie oft während des letzten Monats hatten Sie das Gefühl, dass Ihre Blase nach dem Wasserlassen nicht ganz entleert war?
0
1
2
3
4
5
__
Wie oft während des letzten Monats mussten Sie in weniger als 2 Stunden ein zweites Mal Wasser lassen?
0
1
2
3
4
5
__
Wie oft während des letzten Monats mussten Sie mehrmals aufhören und wieder neu beginnen beim Wasserlassen?
0
1
2
3
4
5
__
Wie oft während des letzten Monats hatten Sie Schwierigkeiten, das Wasserlassen hinauszuzögern?
0
1
2
3
4
5
__
Wie oft während des letzten Monats hatten Sie einen schwachen Strahl beim Wasserlassen?
0
1
2
3
4
5
__
Wie oft während des letzten Monats mussten Sie pressen oder sich anstrengen, um mit dem Wasserlassen beginnen zu können?
0
1
2
3
4
5
__
Wie oft sind Sie während des letzten Monats nachts aufgestanden, um Wasser zu lassen? Maßgebend ist der Zeitraum vom Zubettgehen bis zum Aufstehen am Morgen.

niemals

0

einmal

1

zweimal

2

dreimal

3

viermal

4

fünfmal od. mehr</p>

5

__
Gesamt I-PSS Score =
__
Symptomatik
I-PSS*)
Milde Symptomatik 0 bis 7
Mittlere Symptomatik 8 bis 19
Schwere Symptomatik 20 bis 35
Index für die Beeinträchtigung der Lebensqualität durch Harntraktsymptome
Wie würden Sie sich fühlen, wenn sich Ihre jetzige Symptomatik beim Wasserlassen in Ihrem weiteren Leben nicht mehr ändern würde?

aus-gezeichnet

(0)

zufrieden

(1)

überwiegend zufrieden

(2)

gemischt, teils zufrieden, teils unzufrieden
(3)

überwiegend unzufrieden

(4)

unglücklich

(5)

sehr schlecht

(6)

Lebensqualitätindex L =

*) Korrekte Anamnese und gegebenenfalls Harnstrahlmessung sind wichtig

Eigene Bewertung: Keine Durchschnitt: 2.8 (9 Bewertungen)
Letztes Update:2 März, 2009 - 12:05